Lesen Sie, wie Übersetzungsfehler regelrecht “kriminell” sein können!
Quelle: Stuttgarter Zeitung vom 16.4.2008
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Auch Dolmetscher irren
Prozess gegen Russenmafia droht zu platzen — Verwirrung um belastende Aussage:
Stuttgart – Es ist ein aufwendiger Prozess, der seit einem halben Jahr am Landgericht Stuttgart geführt wird. Rund 11.200 Euro kosten pro Verhandlungstag allein die Sicherungsmaßnahmen. Ein Großaufgebot der Polizei ist nötig, weil der Hauptangeklagte Alexander A. als hochrangiges Mitglied der russischen Mafia Ismailowskaja und damit als gefährdet gilt. Der Staatsanwalt wirft ihm und drei weiteren Personen vor, Grundstücke im Wert von rund 8,5 Millionen Euro gekauft zu haben, um Geld der Mafia zu waschen, die ihre Kriegskasse mit Auftragsmorden und anderen Verbrechen gefüllt hat. Nun aber hat der Staatsanwalt ein Problem: Ein Telefongespräch, das die Mafiaverbindung belegen sollte, enthält einen groben Übersetzungsfehler.
Ein Angeklagter soll seiner Ehefrau auf Russisch erzählt haben, die Mafiaorganisation sei “die unsrige”. So hatten es die Übersetzer des Landeskriminalamtes (LKA) protokolliert. Beim Abspielen in der Verhandlung hörten zwei vereidigte Dolmetscherinnen aber etwas völlig anderes: der Angeklagte plaudert mit seiner Frau, erzählt von neuen Wortschöpfungen, mit denen er verschiedene Gruppierungen beschreibe. Dabei erwähnt er auch die Ismailowskaja. Nirgends ein Hinweis, dass die berüchtigte Moskauer Mafia “die unsrige” sein soll.
Der Anwalt wittert eine Verschwörung
Für die Verteidigung, die schon mehrmals die Freilassung der Angeklagten gefordert hat, ist dies Wasser auf ihre Mühlen. Thomas Sommer, Anwalt des 47-jährigen Mannes, der das Telefongespräch führte, wittert eine Verschwörung: die Dolmetscher hätten das belastende Wort schlicht erfunden — vielleicht unter Druck? “Dieses Gespräch war immer der Hauptbeleg, dass mein Mandant sich mit der kriminellen Vereinigung identifiziert”, sagt Sommer.
Die 5. Strafkammer, die mit dem Verfahren betraut ist, legt gerade eine Pause ein — der Vorsitzende Richter ist bis Ende des Monats erkrankt. Staatsanwalt Dieter Wahl bleibt gelassen: “Ich habe meine Anklage nicht nur auf ein Telefongespräch aufgebaut”, erklärt er. Allerdings räumt er ein, dass diese Stelle “die eindeutigste gewesen wäre”. Das heißt: in den anderen Gesprächen könne man die Mitgliedschaft in der Ismailowskaja nur aus dem Gesamtzusammenhang verstehen und “interpretieren”.
Das LKA könne sich den Fehler auch nicht erklären. “Entweder hat der Dolmetscher hier überinterpretiert, oder er hat schlampig gearbeitet”, sagt Wahl. Der Prozess steht und fällt nun damit, ob eine Verbindung der Angeklagten zur Mafia nachzuweisen ist.”
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Kommentar überflüssig


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