Archiv für Juli 2007



McDonalds und McJob

“Ich liebe es” – dieser Slogan zieht Menschen auf der ganzen Welt in seinen Bann. Nun sieht sich die Fastfood-Kette McDonalds jedoch zu Unrecht am Pranger. Anatol Stefanowitsch vom Bremer Sprachblog weist auf einen interessanten Aspekt von globaler Bedeutung hin. Der Whopper-Riese wehrt sich gegen die Definition von “McJob” im Oxford English Dictionary. Der Begriff wird als “unstimulating, low-paid job with few prospects, esp. one created by the expansion of the service sector” definiert. McDonalds ist damit nicht einverstanden. In einem Schreiben an die Financial Times präsentiert man eine andere Sicht der Dinge: “It’s time the dictionary definition of “McJob” changed to reflect a job that is stimulating, rewarding and offers genuine opportunities for career progression and skills that last a lifetime.” Ja, wenn dem so ist, kann auch die Belegschaft in den schönen Slogan einstimmen.

Bleibt abzuwarten, wie sich die McDonaldisierung der Arbeitswelt längerfristig auf die Gesellschaft auswirkt.

Spiegel Online: lustiges Quiz

Sie ärgern sich über die vielen Anglizismen im Internet?. Kein Problem. Spiegel Online hat sich ein amüsantes Fortsetzungsquiz ausgedacht, das Ines Balcik von ib-klartext.de entdeckt hat. Das Kreativspiel greift eine Initiative der Aktion lebendiges Deutsch auf. Die Puristen der deutschen Sprache wünschen sich weniger Denglisch und mehr Deutsch. Wo allerdings die Grenzlinie zwischen Gut und Schlecht gezogen werden soll, ist etwas unklar: Wortungetüme wie “gecancelt” oder “geupdated” sollen auf den Index. Knappe Begriffe wie “Sex”, “Bar” oder “Clown” finden hingegen das Placet der Sprachschützer.

Und dann droht noch Ungemach aus anderer Richtung – vom rechten politischen Spektrum. Auf Sites der Neonaziszene wird mit Begriffen wie “Elektropost” und “Weltnetz” operiert. Die Verantwortlichen der Sprachkampagne wollen mit diesem Bevölkerungssegment nicht in einen Topf geworfen werden. Daher wird auch eine Abgrenzung von der Rechtsaußen-Rhetorik notwendig werden.

Was meinen Sie, wie sich die deutsche Sprache im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne weiterentwickeln wird?

Tour de France: jetzt erst recht

Schon zu Beginn der Tour drohten ARD und ZDF mit dem Abbruch der Berichterstattung, falls das Doping-Gespenst wieder auftauchen sollte. Nun ist es bereits so weit. Wer sich den Spaß an der Freude nicht nehmen lassen will, kann auch „ausländisch fernsehen“. Wäre das nicht eine gute Gelegenheit, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden und Ihr Englisch aufzufrischen? Céline von naked translations empfiehlt ein englisches Kurzglossar zur Tour. Bis sich der Sieger am 29.7. im Yellow Jersey auf der Avenue des Champs-Élysées in Paris feiern lässt, dauert es zwar noch ein Weilchen. Aber bis dahin werden wir noch einige Red Lanterns erleben. Vom Stigma “Rote Laterne” bleiben unsere beiden Vorzeige-TV-Anstalten jedenfalls verschont – wollen sie doch nicht die Schlusslichter sein, die bis zuletzt aus diesem Sündenpfuhl berichten!

 

Nachgebloggt: Grüninnen und Menschinnen

Am 16.7. habe ich mir über “M – wie Merkel, Merz und Motorin” Gedanken gemacht. Das Posting wurde im Rheinland gelesen und kommentiert.

Wer sich an der deutschen Sprachpolitik berauschen oder auch Dampf ablassen will, sollte sich den leckeren Happen von Düsseldorf-Blog.de nicht entgehen lassen. Fehlte uns nicht schon immer etwas: die Grüninnen neben den Grünen, die Menschinnen neben den Menschen? Ich jedenfalls beantrage bei denen, die in Sachen Gender Mainstreaming unterwegs sind, diese neuen Begriffe in den offiziellen Sprachkanon aufzunehmen. Ach, und eine Frage hätte ich auch noch: wie verträgt sich die deutsche Egalisierungseuphorie in der Sprache mit den ungleichen Löhnen und Gehältern von Männern und Frauen? Na ja, wollen wir froh sein, wenn die 50:50-Proporzdenke wenigstens bei der sprachlichen Optik greift. Da können wir die finanziellen Fakten getrost unter den Tisch fallen lassen. Und noch eine bescheidene Frage nachgeschoben: warum sind unsere staatlichen GleichstellerInnen nicht selbst auf die schönen Feminisierungen “Grüninnen” und “Menschinnen” gekommen?

Ist die Globalisierungssprache Englisch nicht mehr trendy?

Was den Deutschen recht ist, soll unseren angelsächsischen Nachbarn billig sind. Was die einen mehr schlecht als recht hinter sich haben, steht bei den anderen ins Haus: die Rechtschreibdebatte. Wie in Translating is an Art zu lesen ist, bemüht sich die britische Simplified Spelling Society seit einem geschlagenen Jahrhundert um eine Vereinfachung. Jetzt endlich soll die Sprache Shakespeares einen modernen Touch erhalten.

 

Die Befürworter und Gegner der Reform sind in Stellung gegangen und liefern sich fast schon einen Grabenkrieg. Die Anhänger des Simplified English argumentieren, dass Kinder leichter lesen lernen. Die Gegner führen ins Feld, dass dieses Vorhaben unnötig und teuer ist.

 

Ob „butiful“ und „slo“ eingängiger als ihre derzeitigen Pendants sind, mag jeder für sich entscheiden. Schauen Sie sich das englisch-englische Glossar an. Dann wissen Sie schon heute, was morgen auf Sie zukommen könnte.

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Christine Holtz-Stosch ist Geschäftsführerin der Holtz-Stosch GmbH.

Holtz-Stosch GmbH - Fachübersetzungen

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